Dienstag, 17. Februar 2026

Wie man sich bei starken Wellengang aufs Lesen konzentriert oder: Meine erste Fahrt als nautische Offizierin


Ahoi! Ihr habt es euch gewünscht, hier kommt er nun: (M)ein Bericht über meine Zeit auf der Pelican of London von September bis Dezember - wie es war, das erste Mal Verantwortung auf Brücke zu übernehmen, was ich erlebt habe und wie sich meine beiden Leidenschaften Segeln und Lesen vereinbaren lassen.


Mittlerweile bin ich schon fast drei Wochen wieder an Bord und muss sagen, dass ich dieses Mal viel entspannter bin - ich weiß in etwa, welche Aufgaben in welchem Rhythmus auf mich zukommen und selbst auf Wache fühle ich mich viel (selbst-)sicherer 😊 Und falls ihr euch jetzt fragt, was das für Aufgaben sind - here you go.


Als zweite Offizierin habe ich von 12-16 und 0-4 Uhr nachts Wache - während dieser Zeit bin ich im weitesten Sinne dafür zuständig, dass wir nicht gegen einen Eisberg fahren. Kurs- und Geschwindigkeit müssen überwacht und angepasst, Funk abgehört und anderen Schiffen ausgewichen werden. Meistens steuern bei uns trainees; da ist natürlich besondere Aufmerksamkeit angesagt und auch viel Erklären von allem, was auf Brücke so passiert. Und ganz viel Sternegucken, Delfinbeobachtung und Sonnenscheingenießen 😀

Wenn ich nicht auf Wache bin, fallen auch die Rettungsmittel und Feuerlöscheinrichtungen in meinen Zuständigkeitsbereich - ich checke beispielsweise, dass Feuerlöscher ausgetauscht werden, bevor sie ablaufen, Rettungsringe am korrekten Platz hängen, die Reißverschlüsse der Eintauchanzüge gefettet sind und Hydranten funktionieren.

Außerdem bin ich für Routenplanung, Kartenupdates und Instandhaltung der navigatorischen Instrumente zuständig - da wir noch Papierkarten haben, korrigiere ich die wöchentlich, die Funkausrüstung wird unterschiedlich aufwendig täglich, wöchentlich und monatlich überprüft und vor jedem Auslaufen recherchiere ich alle wichtigen Informationen für die nächste Seereise.




Eine ganze Menge, oder? Glücklicherweise habe ich in meiner Ausbildung schon viel mit Papierseekarten gearbeitet, sodass ich mich damit recht sicher fühlte und Routenplanung lief (nachdem ich mir eine neue Vorlage erstellt hatte) auch ganz gut. Bei all den wöchentlichen und monatlichen Checks konnte ich bei Fragen erfreulicherweise immer nachfragen - der Zusammenhalt und gegenseitige support an Bord ist einfach wunderbar 😍 Am nervösesten war ich tatsächlich, acht Stunden am Tag alleine die Verantwortung für das Schiff zu tragen. Auch hier half die gute Stimmung an Bord - der Kapitän hatte ganz klar kommuniziert und mich auch spüren lassen, dass ich ihn jederzeit wecken kann und das nimmt doch viel Druck weg ^^ Ein paar Mal bin ich während meiner Wachen aber schon ins Schwitzen gekommen...

Weil alle wissen, wie gerne ich an Deck arbeite und das Klettern mittlerweile liebe, hat mich das bosunary team oft miteingebunden und sowohl vor als auch nach meinem Einsatz als zweite Offizierin war ich ja auch ganz offiziell Teil des Deckteams; ich hoffe, da auch in meinen nächsten Rotationen weiterhin dabei sein und dazulernen zu können!





Während meiner ersten Rotation bin ich ziemlich wenig zum Lesen gekommen - dem ungewöhnlichen Schlafrhythmus konnte ich mich bisher noch nicht richtig anpassen. Momentan versuche ich, nach dem Abendessen um 1720 noch anderthalb Stunden wachzubleiben, um zu quatschen, Tagebuch zu schreiben oder eben auch zu lesen. Neulich saß ich auch nach meiner Wache noch eine Weile mit meinem Buch in der Sonne; das war richtig schön 😎

Richtig großartige Tipps für das Lesen bei wind force stupid kann ich euch also nicht geben - wenn ihr noch andere Fragen habt, lasst es mich gerne wissen :)

13 Kommentare:

  1. Hallo Ronja,

    vielen Dank für die interessanten Einblicke :D Klingt wirklich alles sehr spannend, aber auch nach recht viel und deutlich mehr als einem 8 Stunden Tag... Denn wenn du ja schon 8 Stunden Wache hast und dann noch für die anderen Aufgaben zuständig bist, wundert es mich nicht, dass du nicht viel zum Lesen gekommen bist.
    Aber es freut mich sehr, dass es dir so viel Spaß macht und du dich auch schon sicherer fühlst.

    Liebe Grüße,
    Steffi vom Lesezauber

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    1. Ahoi Steffi,

      ja, Seefahrt ist definitiv keine 40h Woche, haha. Wir dürfen sogar ganz legal 91h arbeiten xD
      Hier auf dem Segler ist es aber nicht so dramatisch - die wirklichen vollen Tage entsprechen einem normalen Tag auf einem Containerschiff und wir versuchen, das auch manchmal durch nen halben Sonntag zB auszugleichen ^^

      Sonnige Grüße aus Tanger
      Ronja

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  2. Hallo Ronja,

    herzlichen Dank für den interessanten Einblick. Du hast da einen wirklich spannenden Beruf und es freut mich, wenn du in deinen Beiträgen ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderst.

    Das glaub ich dir, dass du da nervös bist (bzw. jetzt eher warst), wenn du da so lang Wache halten musst. Aber umso besser, wenn das Klima innerhalb der Crew passt und du bei etwaigen Herausforderungen problemlos nach Ratschlägen und Hilfe fragen kannst.

    Wünsch dir weiterhin viel Spaß bei deiner aktuellen Reise.

    LG Lisa

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    1. Ahoi Lisa,

      freut mich, dass dir der Einblick gefallen hat :)
      Und ja, ich bin sehr dankbar, was für ein großartiges Crewleben & -zusammenhalt wir hier haben!

      LG Ronja

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  3. Liebe Ronja

    Hach, ich liebe deine Berichte!!!

    Und was mir jetzt noch durch den Kopf gegangen ist...mich würde extrem interessieren, was genau der Zweck der Pelican und ähnlichen Schiffen ist im Sinne von: ihr arbeitet ja da, aber wer bezahlt das? Wie generiert die Pelican Einkommen?

    Das ist eine absolute Landratten-Frage, das ist mir sehr bewusst, aber ich kann mir bei Frachtschiffen/Kreuzfahrtschiffen/Linienschiffen/Polizeischiffen/Rettungsschiffen usw. natürlich vorstellen, was die Aufgaben und die Interessen und wer die Geldgeber sind. Bei Segelschiffen habe ich einfach gar keinen Plan....

    Ich wünsche dir ganz einen guten Tag und freue mich sehr darauf, wieder von dir zu lesen
    Livia

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    1. Ahoi liebste Livia,

      wie schön, dass du wie immer vorbeistöberst und so viel Freude an meinen Berichten hast <3
      Aber oh ja, stimmt! Ich glaub, das hatte ich vor Jahren vielleicht mal erwähnt und dann nie wieder - also, manche Segelschiffe verdiene ihr Geld, genau wie du sagst, mit zahlenden Gästen also quasi Kreuzfahrt deluxe. Ein paar transportieren tatsächlich auch Waren (vor allem Rum, Kakao, Kaffee, Zucker etc. aus der Karibik) und punkten mit Nachhaltigkeit. Wir betreiben SailTraining - meist haben wir Gruppen junger Leute zwischen 14-25 Jahren an Bord. Im Sommer arbeiten wir viel mit SailTrainingInternational zusammen, einer irischen Organisation, die uns gemischte Gruppen schickt - teilweise Pfadfinder, oft aber auch Jugendliche aus schwierigen Hintergründen (Pflegefamilien, Drogenprobleme, Kontakt mit der Polizei...). Momentan haben wir tatsächlich angehende Offiziere der britischen Navy hier. Und nächsten Winter arbeiten wir mit Gaia First zusammen, so einer Nachhaltigkeitsorganisation im Mittelmeer. Also sehr wechselnd, aber immer SailTraining.

      Ganz liebe Grüße aus Marokko
      Ronja

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  4. Danke für den spannenden Einblick. So viele, tolle und aufregende Eindrücke - wow!

    Alles Gute für Dich - Lenchen ♥

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  5. Hallo liebe Ronja!

    Ein ganz toller Bericht und interessante Einblicke in deine Arbeit! Und die Bilder sind mal wieder so klasse! Mir ist tatsächlich auch die Frage von Livia bekommen beim durchlesen: was macht ihr eigentlich? xD Hattest du das schon mal geschrieben? Ich glaube schon, aber ich kann mich grade nicht mehr dran erinnern...

    Dein Beitrag ist auch heute in meiner Stöberrunde verlinkt!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Ahoi liebe Alex,

      haha, Segelschiffe sind einfach verdammt fotogen :D Manche Momente, gerade Sterne nachts, lassen sich leider nicht einfangen... Danke für das Verlinken und bezüglich deiner Frage siehe Antwort oben ^^

      Schönes Wochenende dann
      Ronja

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  6. Guten Morgen Ronja,

    vielen Dank für die spannenden Einblicke in die Welt einer Skipperin. Ich bin sehr beeindruckt von dem Leben an Bord eines Schiffes. Ich glaube, dass das auch als Fußgänger nichts für mich wäre :) Gut vorstellbar, wie es ist, ganz allein für Schiff und Besatzung verantwortlich zu sein. Du scheinst es ja gut gemeistert zu haben. Glückwunsch dazu und weiterhin viel Spaß auf hoher See!

    Herzliche Grüße
    Frank

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    1. Ahoi Frank,

      haha ja, Seefahrt ist echt nicht nur eine Jobwahl, sondern eine Lebensstilwahl - definitiv nicht alle sind dafür gemacht. Umso schöner, wie perfekt es für mich passt <3

      Freut mich, dass dir der Einblick in eine so fremde Welt also gefallen hat!
      LG Ronja

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  7. Hallo liebe Ronja,

    deinen Bericht habe ich gerade unheimlich gerne gelesen. Du hast sehr gut beschrieben, welche Aufgaben du als Offizierin erledigen musst und wie sich dein Tag zusammensetzt. Das klingt nach einem richtig aufregenden Traumberuf.

    Ich freue mich, dass du im Team so gut angekommen bist und dass du eine so tolle Mannschaft gefunden hast.

    Ich hatte es gerade beim Lesen richtig gut vor Augen, wie du die Karten studierst und auch mal Zeit findest so richtig schön die Aussicht zu genießen oder/und in der Sonne zu lesen. Das klingt einfach traumhaft <3

    Vielen Dank für diesen wirklich schönen Bericht <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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Lass´ mir doch einen Kommentar da! Ich würde mich über deinen Landgang sehr freuen :)