Samstag, 12. September 2026

{Rezensionen} Mit Walen tanzen und Haien schwimmen


Ahoi! Vor einer ganzen Weile schon wurde ich vom folio Verlag angeschrieben, den ich ehrlicherweise zuvor gar nicht auf dem Schirm hatte, ob ich nicht zwei ihrer Bücher lesen und besprechen möchte - und zu welchem Blog würden ein Tanz mit Walen und ein Schwimmausflug mit Haien besser passen?! Vorfreudig stürzte ich mich also ins kühle Nass 😁





Wie man mit Walen tanzt: Was uns Pottwale über die Ozeane und die Menschen erzählen || Franҫois Sarano || aus dem Französischen von Christine Ammann || folio Verlag || Sachbuch || HC || 272 Seiten || Band 1/1 || 5 Anker

20 Meter lang, 50 Tonnen schwer, atemberaubend und doch wissen wir nur wenig über Pottwale: Dass die riesigen Meeressäuger eineinhalb Stunden die Luft anhalten können, um in 2000 Meter Tiefe Riesenkalmare zu jagen. Dass sie – je nach Clan und Region – in einer eigenen Lautsprache kommunizieren.
                              Und neben hoher Intelligenz eine spielerische Friedfertigkeit zeigen.


Das Buch ist kein klassisches Sachbuch, wenngleich ich viel über Pottwale (und andere Meereslebewesen!) lernen durfte - sondern viel mehr ein persönlicher Bericht und ein eindrückliches Plädoyer an die Menschheit, die Wildnis zu bewahren, aber auch bewusst zu erleben. Ich war begeistert davon, wie ehrfürchtig und zugleich voller Staunen Franҫois Sarano den Tieren der Tiefe entgegentaucht und konnte die einzigartigen Begegnungen auch ohne die QR-Codes fühlen - dank der vielen Bilder und verlinkten Videos durfte ich sie dann sogar sehen; was für eine wunderbare Bereicherung des Buches!

»Die spielerische Erkundung, Tochter der Neugier, führt zu Kreativität und Innovation und damit zu kulturellen Unterschieden und Artenbildung [...]. Das Spiel ist ein Motor der Evolution.«

Mir gefiel auch, wie Sarano aus seinen Beobachtungen der Pottwale auch für uns Menschen Rückschlüsse und Analogien zog; etwa den Nutzen der Nutzlosigkeit (also warum es wichtig, richtig und vor allem schön ist, Dinge zu tun, die nicht notwendig sind) oder die Wichtigkeit von physischer Nähe und Körperkontakt als Kommunikationsebene.

»Das Leben ist nie perfekt angepasst, weil sich unsere Erde ständig ändert. Das Leben ist ständiger Wandel, ständige Entwicklung, ständige Anpassung. Und Leben in freier Natur heißt Anpassungsfähigkeit.«

Eine Begrifflichkeit bzw. ein Konzept, das mir vor der Lektüre nicht geläufig war, sich mir aber erschloss und ich mitnehme, ist die ökologische Amnesie - damit meint Sarano, dass jede Generation immer nur den Istzustand der Natur wahrnimmt und daher nicht realisiert, wie viel Artenreichtum und Wildnis wir bereits verloren haben und somit auch nicht aktiv genug wird, um Klimakatastrophe und Massensterben noch zu stoppen. 


[5/5] Ein Buch voller ehrfürchtigem Staunen und erstaunlichen Erkenntnissen - und eines, das nachdrücklich dazu aufruft und ermuntert, nicht tatenlos zuzusehen, wie wir diese Giganten der Tiefsee verlieren.





Wie man mit Haien schwimmt: Eine Liebeserklärung || Franҫois Sarano ||
aus dem Französischen von 
Ingrid Ickler || folio Verlag || Sachbuch || HC ||
301 Seiten || 
Band 1/1 || 4 Anker

Haie zählen zu den ältesten und langlebigsten Tieren, der Grönlandhai kann bis zu 500 Jahre alt werden. Bis heute bevölkern 536 Arten die Ozeane, vom Wal- hai über den Zitronenhai bis zum Weißen Hai. Sie verfügen über einen außer- gewöhnlichen Geruchssinn und orientieren sich auf ihren weltumspannenden
                              Reisen am Magnetfeld der Erde – wäre da nicht der Mensch, der ihre Existenz
                              ernsthaft bedroht.


Auch in diesem Buch verschmelzen Fakten über Haie, persönliche Annekdoten und Appell - jedoch konnte mich Franҫois Sarano dieses Mal nicht gleichermaßen erreichen und berühren. Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass ich Haie zwar durchaus faszinierend, aber eben nicht nahbar finde, oder daran, dass der Fokus weniger auf einer einzigen Spezies sondern vielen verschiedenen Haiarten (und weiteren Meerestieren) lag.

»Nur wenn es uns gelingt, Raum für das Störende und Unbedeutende zu lassen, wird es auch Raum für jeden von uns geben. Für Menschen und Tiere, mit all ihren Unterschieden, in all ihrer Einzigartigkeit.«

Es steckt definitiv viel Herzblut und Enthusiasmus in dieser Liebeserklärung, Fotos und Videos konnten mich wieder begeistern (wenngleich es mich störte, wenn diese Mitten in einem Satz abgedruckt waren und diesen teils über Seiten trennten) und dank der kurzen Abschnitte ließ sich auch dieses Buch zügig lesen. Ich hätte jedoch gerne mehr gelernt; dieser Text war jedoch mehr von einer (politischen) Mission motiviert als von der Wissensvermittlung - vollkommen in Ordnung und nachvollziehbar; ich hatte nur nach dem Walbuch andere Erwartungen. 

»Es braucht einen Paradigmenwechsel, wir müssen von einer Logik der Annexion zu einem neuen Verständnis des Zusammenlebens kommen. In einer Welt, zu der alle gehören, Menschen und nichtmenschliche Lebewesen.«

Nichtsdestotrotz habe ich Wie man mit Haien schwimmt gerne gelesen und mir jetzt auch den oft erwähnten Dokumentarfilm Unsere Ozeane zugelegt und freue mich schon auf das Schauen! Mitgenommen habe ich vor allem, dass die Erzählung darüber, wie wichtig Haie als Spitzenprädatoren für die Nahrungskette so nicht stimmt - was sie für das Ökosystem nicht weniger relevant macht, aber die Begründung legt einen falschen Fokus. Außerdem werde ich beim Cremekauf zukünftig definitiv darauf achten, dass kein Squalan (Haileberölderivat) enthalten ist und weiß, dass Seeaal, Schillerlachs und Steinlachs Haie sind und nicht auf meinem Teller landen werden.


[4/5] Nicht ganz so ergreifend wie der Tanz mit den Walen, aber nichtsdestotrotz lesenswert, engagiert und beeindruckend nah an den Tieren.


Habt ihr ein Lieblingsmeereslebewesen? Welche habt ihr schon in freier Natur gesehen? Ich bisher jede Menge Delfine und Schweinswale; Wale leider nur wenig und aus weiter Ferne und Haie noch gar nicht...


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