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Samstag, 24. Oktober 2026

{Rezension} Medusa: Die geheimnisvolle Welt der Quallen ~ Dagmar Röhrlich

Medusa: Die geheimnisvolle Welt der Quallen || Dagmar Röhrlich || mare Verlag ||
Sachbuch || HC || 256 Seiten

Quallen bestehen zu mehr als 95 Prozent aus Wasser, haben weder Herz noch Hirn, aber dafür ein hochkomplexes Nervennetz. Sie bevölkern seit über einer halben Milliarde Jahren unsere Meere, und es gibt eine Quallenart, die als biologisch unsterblich gilt. Dagmar Röhrlich nimmt uns mit in den verborgenen Kosmos der Medusen, vom Strand bis in die Tiefsee, vom Meeresboden bis in die Labore, in denen Forscher versuchen, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln. Sie zeigt, wie vielfältig sich Mensch und Qualle begegnen: Badegäste und Fischer verfluchen ihre Präsenz, in mancher Landesküche kennt man sie als Delikatesse, und Mediziner erforschen ihre Regenerationskünste. Mit ihrem einzigartigen Erfolgsrezept aus Einfachheit, Flexibilität und Effizienz erzählen Quallen eine bisher unterschätzte Überlebensgeschichte und eröffnen eine ganz neue Sicht auf das Leben im Meer.


Tier- und Meeresdokus könnte ich ja nonstop schauen und auch Sachbücher, die sich einzelnen Tieren widmen, liebe ich - als ich dieses wunderschöne Buch also in der Vorschau meines Lieblingsverlages entdeckte, führte kein Weg daran vorbei!


Und wow, die Illustrationen konnten mich von der ersten Seite an für die glibberige Welt der Quallen, Medusen und Salpen begeistern - was eine Vielfalt, welch Eleganz und Opulenz der Natur! Da auch schon die erste (von vielen) Erkenntnissen: Was wir als "Qualle" über einen Kamm schweren, sind in Wirklichkeit verschiedenste Arten, die untereinander teilweise weniger Genetik teilen als mit uns Menschen! Kaum vorstellbar; doch die Jellies gibt es seit so vielen Millionen Jahren, dass auch die Aufgabelung des Stammbaums vor langer, langer Zeit stattfand. Und Quallen sind dabei nicht nur Überlebende, nein, sie sind so hervorragend auf ihr Leben im freien Ozean angepasst, dass die Evolution mehrfach diesen Weg ging; manche scheinbar ähnliche Quallenarten sind gar nicht direkt verwandt, sondern haben sich parallel so entwickelt.

Dagmar Röhrlichs Begeisterung für die glibberigen Meeresbewohner ist deutlich spür- und herauslesbar und springt durchaus über - so viel gibt es zu entdecken, erlernen und vor allem auch noch zu erforschen! Denn viel zu lange waren Quallen, Medusen und Salpen die Blindstelle der Meeresforschung; nicht beachtet, wenn sie Badende oder Kraftwerke störten. Dabei könnten sie für Ernährung, Medizin und Kosmetik noch so viel zu bieten haben! Mir gefiel hier besonders die differenzierte Betrachtung - Quallen weder als Plage noch als Heilsbringer, nicht als klarer Biomarker, aber in Blüte oder bei Ausbleiben durchaus einen genaueren Blick wert.

»Und doch wäre es falsch, die Qualle zum Emblem des sterbenden Ozeans zu machen. Sie ist ein Zeichen des Umbaus. Ozeane haben sich immer verändert, wenn auch langsamer als jetzt. Was sich heute abzeichnet, ist kein Meer ohne Leben. Es ist ein Meer mit anderem Leben, mit verschobenen Gewichten, anderen Dominanzverhältnissen und Nahrungsnetzen. Die Qualle ist der Organismus, der in veränderten Systemen früher ankommt, als wir überhaupt begreifen, was sich verändert hat. Wir erschaffen das Meer der Zukunft: mit jedem Grad Erwärmung, jeder überfischten Population, jeder Tonne Stickstoff, die in die Küstengewässer fließt - und die Jellies reagieren.«


Ich habe auch viel lernen können - dass es kein Zufall ist, dass Quallen immer runde Aquarien haben etwa oder dass Schlaf nicht nur Tieren mit Gehirnen vorbehalten ist, sondern ganz allgemein für die DNS-Reparatur notwendig ist und wie genau das mit der "Verjüngung" von Quallen über Polypen abläuft. Und gleichzeitig: Wie wenig wir letztlich bisher wissen; wie viele Rätsel und unbeantwortete Fragen die Quallen uns noch stellen...

Obwohl das Buch in 10 thematische Kapitel unterteilt ist, hätte ich mir einen klareren roten Faden gewünscht - die Autorin springt von Qualle zu Qualle, was gerade angesichts der langen und vielen lateinischen Namen nicht immer leicht nachzuvollziehen ist, und kommt zu manchen Arten später wieder zurück. Die Übersicht nicht völlig zu verlieren, dabei half mir die tabellarische Zusammenstellung am Ende des Buches - großartig, nochmal nachlesen zu können, welche Arten nun zu welchem Stamm, Ordnung und Klasse gehören und welche (bekannte) Bedeutung für das Ökosystem jeweils haben. 


... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[5/5] Das Cover trägt die einzelnen Illustrationen schon zusammen, die im Buch jeweils eine volle eigene Seiten bekommen - wunderschön, voller Leucht- und Farbkraft! Und auch der Titel macht Lust auf me(e)hr.


VIELEN DANK AN MARE FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR

Ein augenöffnendes Buch, das gespannt auf kommende Forschung und Erkenntnisse macht, mit bezaubernenden Illustrationen besticht und definitiv mit Erkenntniszugewinn zurücklässt.

erkenntnisreich ~ komplex ~ faszinierend

Für welche Meeresbewohner könnt ihr euch besonders begeistern? Früher hätte ich ja immer Delfine und Wale als erstes genannt, mittlerweile habe ich aber über so viele faszinierende andere Lebewesen und Pflanzen im Meer gelesen, dass ich mich da gar nicht mehr so genau festlegen kann...


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