Antike Mythen ohne Männer || Mara Gold || übersetzt aus dem Englischen von Gabriele Stein || DuMont Verlag || Sachbuch || HC || 240 Seiten || 1/1
Antike Mythen sind männliche Schöpfungen: Frauen galten als Verführerinnen, Opfer oder Bedrohung. Mara Gold rekonstruiert anhand von 40 Frauenfiguren die weiblichen Archetypen der klassischen Welt – Jungfrau, Hausfrau, Kriegerin, Femme fatale, Hexe, Wahnsinnige, Monster. Die Erzählungen von Circe, Helena, Medea und vielen anderen werden von ihrer historischen Entstehung bis zu ihrer modernen Deutung begleitet. So änderte sich auch die Wahrnehmung von Medusa als vernichtendem Monster hin zum Symbol für berechtigte weibliche Wut über das patriarchalische System. Das Buch zeigt, wie Normen der Antike weibliches Verhalten regulierten, über Jahrtausende fortwirkten und wie gerade das »Inakzeptable« heutige Heldinnenbilder prägt.

Ich liebe ja griechische Mythologie und vor allem die (feministischen) retellings, die in den letzten Jahren erschienen sind - als ich dieses Buch also in der Vorschau entdeckte, wusste ich: Das muss ich lesen! Ehrlich gesagt habe ich es dann aber vergessen und war umso begeisterter, als ich es nach Rückkehr von Bord in meinem Briefkasten fand.
Und diese Begeisterung hielt sich vom ersten Aufschlagen bis Beenden des Buches - allein die Gestaltung ist schwärmende Worte wert: Ein eckiges, ansprechendes Format, dickes, hochwertiges Papier, Lesebändchen und linoleumdruckartige Illustrationen auf fast allen Seiten sowie die konsequente Lila-Nutzung machen direkt Lust auf Lesen und Blättern.
Mir gefiel auch die Aufteilung in Hausfrau, Jungfrau, Kriegerin, femme fatale, Hexe, Wahnsinnige und Monster - bis zum Lesen war mir gar nicht bewusst gewesen, wie viele der griechischen Ungeheuer weiblich sind und obwohl ich schon viel zum Thema gelesen habe, konnte ich auch noch neue Figuren kennenlernen.
Insgesamt ist dieses haptisch wie optische gelungene Buch auch inhaltlich eine lohnenswerte Neubewertung beziehungsweise Kontextualisierung griechischer Mythen - ich fand es interessant, wie Mara Gold anhand der Legenden zeigt, was wir über die echten Frauen der damaligen Zeit wissen und sagen können und wie viel patriarchale Bewertung und Gewalt in Legendenerzählungen steckt. Und auch wenn der Stammbaum zu Anfang verworren ist, gefiel mir, wie er die weiblichen Verwandtschaften fokussiert - die geraten in den mir bekannten aus den Augen.
... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[5/5] Ihr merkts, für die Gestaltung habe ich nur lobende Worte; Titel, Cover, Format und Innenleben - alles holt mich ab.
VIELEN DANK AN DUMONT FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR
Ganz ohne Männer kommt dieses Buch natürlich nicht aus - eine erfrischende Konzentrierung auf die mythologischen Frauen jenseits der gängigen Bewertungen ist es aber allemal. Ausgesprochen lesenswert!

modern ~ ansprechend ~ feministisch

Mögt ihr (griechische) Mythologie und wenn ja, was ist eure liebste Sage und/oder Figur? Ich finde ja die Amazonen, Circe und Artemis´ Gefolgschaft ausgesprochen faszinierend; diese Möglichkeit des Zusammenlebens ohne oder zumindest nicht in Unterdrückung durch Männer.


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