Ahoi! Ihr habt es euch gewünscht, hier kommt er nun: (M)ein Bericht über meine Zeit auf der Pelican of London von September bis Dezember - wie es war, das erste Mal Verantwortung auf Brücke zu übernehmen, was ich erlebt habe und wie sich meine beiden Leidenschaften Segeln und Lesen vereinbaren lassen.

Mittlerweile bin ich schon fast drei Wochen wieder an Bord und muss sagen, dass ich dieses Mal viel entspannter bin - ich weiß in etwa, welche Aufgaben in welchem Rhythmus auf mich zukommen und selbst auf Wache fühle ich mich viel (selbst-)sicherer 😊 Und falls ihr euch jetzt fragt, was das für Aufgaben sind - here you go.
Als zweite Offizierin habe ich von 12-16 und 0-4 Uhr nachts Wache - während dieser Zeit bin ich im weitesten Sinne dafür zuständig, dass wir nicht gegen einen Eisberg fahren. Kurs- und Geschwindigkeit müssen überwacht und angepasst, Funk abgehört und anderen Schiffen ausgewichen werden. Meistens steuern bei uns trainees; da ist natürlich besondere Aufmerksamkeit angesagt und auch viel Erklären von allem, was auf Brücke so passiert. Und ganz viel Sternegucken, Delfinbeobachtung und Sonnenscheingenießen 😀
Wenn ich nicht auf Wache bin, fallen auch die Rettungsmittel und Feuerlöscheinrichtungen in meinen Zuständigkeitsbereich - ich checke beispielsweise, dass Feuerlöscher ausgetauscht werden, bevor sie ablaufen, Rettungsringe am korrekten Platz hängen, die Reißverschlüsse der Eintauchanzüge gefettet sind und Hydranten funktionieren.
Außerdem bin ich für Routenplanung, Kartenupdates und Instandhaltung der navigatorischen Instrumente zuständig - da wir noch Papierkarten haben, korrigiere ich die wöchentlich, die Funkausrüstung wird unterschiedlich aufwendig täglich, wöchentlich und monatlich überprüft und vor jedem Auslaufen recherchiere ich alle wichtigen Informationen für die nächste Seereise.
Eine ganze Menge, oder? Glücklicherweise habe ich in meiner Ausbildung schon viel mit Papierseekarten gearbeitet, sodass ich mich damit recht sicher fühlte und Routenplanung lief (nachdem ich mir eine neue Vorlage erstellt hatte) auch ganz gut. Bei all den wöchentlichen und monatlichen Checks konnte ich bei Fragen erfreulicherweise immer nachfragen - der Zusammenhalt und gegenseitige support an Bord ist einfach wunderbar 😍 Am nervösesten war ich tatsächlich, acht Stunden am Tag alleine die Verantwortung für das Schiff zu tragen. Auch hier half die gute Stimmung an Bord - der Kapitän hatte ganz klar kommuniziert und mich auch spüren lassen, dass ich ihn jederzeit wecken kann und das nimmt doch viel Druck weg ^^ Ein paar Mal bin ich während meiner Wachen aber schon ins Schwitzen gekommen...
Weil alle wissen, wie gerne ich an Deck arbeite und das Klettern mittlerweile liebe, hat mich das bosunary team oft miteingebunden und sowohl vor als auch nach meinem Einsatz als zweite Offizierin war ich ja auch ganz offiziell Teil des Deckteams; ich hoffe, da auch in meinen nächsten Rotationen weiterhin dabei sein und dazulernen zu können!
Während meiner ersten Rotation bin ich ziemlich wenig zum Lesen gekommen - dem ungewöhnlichen Schlafrhythmus konnte ich mich bisher noch nicht richtig anpassen. Momentan versuche ich, nach dem Abendessen um 1720 noch anderthalb Stunden wachzubleiben, um zu quatschen, Tagebuch zu schreiben oder eben auch zu lesen. Neulich saß ich auch nach meiner Wache noch eine Weile mit meinem Buch in der Sonne; das war richtig schön 😎

Richtig großartige Tipps für das Lesen bei wind force stupid kann ich euch also nicht geben - wenn ihr noch andere Fragen habt, lasst es mich gerne wissen :)




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