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Mittwoch, 27. Januar 2021

{Rezension} Piranesi ~ Susanna Clarke

Piranesi || Susanna Clarke || Blessing || Fantasy || HC || 272 Seiten || 1/1

Ein riesiges Gebäude, in dem sich endlos Räume aneinanderreihen, verbunden durch ein Labyrinth aus Korridoren und Treppen. An den Wänden stehen Tausende Statuen, das Erdgeschoss besteht aus einem Ozean, bei Flut donnern die Wellen die Treppenhäuser hinauf. In diesem Gebäude lebt Piranesi. Er hat sein Leben der Erforschung des Hauses gewidmet. Und je weiter er sich in die Zimmerfluchten vorwagt, desto näher kommt er der Wahrheit – der Wahrheit über die Welt jenseits des Gebäudes. Und der Wahrheit über sich selbst.


Als ich dieses Buch das erste Mal in der Verlagsvorschau entdeckte, war ich interessiert und zugleich unschlüssig; als dann sowohl Karin von littleworlds als auch Sandra aka Miss Pageturner so positiv darüber sprachen, musste ich es einfach wagen. Und was soll ich sagen?!

Ich bin genauso zwiegespalten und verwirrt wie beim erstmaligen Lesen des Klappentextes - weshalb ich auch so lange mit den Worten dieser Rezension gerungen habe.

Piranesi ist ein skurriles Buch. Wir folgen der Hauptfigur, die in einem nicht enden zu scheinenden Haus lebt, das voller Statuen und Räume, Gezeiten und Aufgängen, aber leer an Leben zu sein scheint. Außer ihm, den Toten und dem Anderen. Doch wessen Wahrnehmung stimmt; wesssen Sinne leiten in die Irre? Die langsame Entfaltung dessen, was tatsächlich geschieht, wann und warum, ist von der Autorin äußerst kunstvoll konstruiert und entbehrt nicht an Spannung.

Und doch. Die Zeit verrinnt zäh wie Honig und in ungleichmäßigen Bahnen; die Grundspannung voller unheilvoller Ahnungen, wirrer Vermutungen und mysteriöser Stimmung wird nicht durch allzuviel Handlung unterstützt. Beschreibungen der Irrungen und Windungen - des Hauses, des Protagonisten und der eigentlichen Geschichte - stehen im Vordergrund. Speziell; auch vom Schreibstil und Erzählton her!

»Vielleicht ist das so, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist. Vielleicht kann selbst jemand, den man mag und bewundert, einen Die Welt so sehen lassen, wie man sie lieber nicht sehen würde.« 


Was mir am Ende des Buches gefällt hat, ist nicht ein geschlosseneres Ende an sich, sondern eine für mich schlüssige Interpretation; das Gefühl, die Geschichte einordnen zu können. Der Geschichte zu folgen hat mir durchaus Freude bereitet, gerade ob der kunstvollen, fast schon poesievollen Inszenierung - es fühlt sich jedoch so an, einen losen Faden in der Hand zu halten, den ich nicht verknüpfen, in Kontext bringen kann. Kein konkretes "und die Moral von der Geschicht", aber doch ein "was wollte uns die Autorin damit sagen".

Im Nachhinein habe ich im Internet gelesen, dass die Autorin Susanna Clarke an chronischem Erschöpfungssyndrom leidet und über viele Jahre das Haus nicht verlassen habe; das macht all die widerstreitenden Gefühle der Hauptperson für das Haus; das Bewundern und Geborgenfühlen und zugleich das Sehnen nach mehr, greifbarer. Und doch bleibt das Buch für mich ein Rätsel. Vielleicht liegt darin jedoch auch dessen Schönheit und Zauber; die es nicht zu durchschauen gilt.

Wen der Klappentext anspricht, wer sich auf dieses Abenteuer einlassen möchte - es lohnt sich! Piranesi ist kein Buch, das sich schnell vergessen lässt oder mit völliger Gleichgültigkeit gelesen werden kann, sondern eines, das mich viel hat Nachdenken lassen. 

Giovanni Battista Piranesi war übrigens italienischer Kupferstecher, Archäologe, Architekt und Architekturtheoretiker des 19. Jahrhunderts und interessierte sich insbesondere für die altrömische Architektur; ebenso sein Sohn. Das als Hintergrund für die Anspielung bei der Namensgebung.


... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[4/5] Das Cover ist genauso mythisch und geheimnisvoll, nichtssagend und aussagekräftig wie der Inhalt; verspricht nur einen griechischeren Touch, als die Geschichte dann hat. Bezaubernd ist das Vorsatzpapier und auch der Einband unter dem Umschlag sagt mir zu. Zur Namensgebung habe ich bereits etwas gesagt; stimmig gewählt und durch Nüchternheit und gleichzeitiger Klangvollheit ebenfalls äußerst passend gewählt.


VIELEN DANK AN RANDOMHOUSE FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR

Ein Buch, das schwer nur in Worte zu fassen ist; schillernd und anmutig und zugleich schwerfällig und behäbig. Eine Geschichte definitiv, die einen vollständig eintauchen und nur schwer wieder entlässt. 

unkonventionell ~ beschreibungsreich ~ unergründlich

Bei welchem Buch fiel es euch zuletzt schwer, zu einem Fazit/einer Bewertung zu kommen? Steht ihr auch so auf schönes Vorsatzpapier? Und lest ihr Bücher mit oder ohne den Schutzumschlag?


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5 Landgänge

  1. Hallo Ronja, da geht es Dir wie sehr vielen Lesern, die sich auf diese kleine Überraschungskiste eingelassen haben und dann nachdenklich zurückgelassen haben. Piranesi ist durch und durch ungewöhnlich.
    Viele Grüße
    Frank

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    1. Ahoi Frank,

      ungewöhnlich auf jeden Fall; bin gespannt, was du darüber schreibst :)

      LG Ronja

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  2. Huhu,
    ach schade, ich hätte echt gedacht, dass es ebenfalls dein Ding sein würde, aber gut, es war ja zumindest kein totaler Flop, da bin ich schon froh xD
    Tatsächlich fand ich die Geschichte, zwar zwischendurch undurchsichtig, zum Ende aber schlüssig aufgelöst. Die wesentlichen Wies und Wiesos wurden in meinen Augen beantwortet.

    Aber ich kann auch verstehen, dass die Erzählweise und das Tempo nicht jedem zusagt, das Buch ist halt wirklich speziell.

    Liebste Grüße, Sandra
    PS. und danke für den Link ♥

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  3. Lieb Ronja

    Das Buch ist mir ja noch gar nicht begegnet, aber was du schreibst, macht schon sehr neugierig, auch wenn dich das Buch nicht komplett überzeugen konnte.

    Alles Liebe
    Livia

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  4. Du hattest ja bereits einige Kritikpunkte in deinem Kommentar genannt, aber ich finde deine Rezension klingt dennoch sehr diplomatisch.

    Ich verstehe was du meinst und auch, dass es sicherlich nicht allen zusagen wird, aber bin auch der Meinung, dass es durch seine spezielle Art, doch eben schön speziell ist. :D
    Dein Satz: "Und doch bleibt das Buch für mich ein Rätsel." war für mich auch genau das, was ich direkt nach Beenden des Buches gedacht habe. Es ist ein Rätsel. Bei einigen Sachen dachte ich, ich hätte vielleicht etwas überlesen oder vergessen. Daher habe ich auch einige Zeit gebraucht, um die Rezension zu schreiben. Aber nach diesem Abstand, dachte ich an die Geschichte zurück und fand sie großartig. Eben weil sie an manchen Stellen so viel Raum lässt und sie so etwas genial Mystisches hat.

    Aber wie gesagt, verstehe ich, dass es nicht für jeden etwas ist. :)


    Liebe Grüße
    Karin

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