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Samstag, 27. Juni 2020

#PrideMonth Buchempfehlungen


Ahoi! Der Juni ist #PrideMonth und ich habe in letzter Zeit ein paar wunderbare Titel gelesen, die ich euch heute ans Herz legen möchte ♥ LGBTQ ist in Büchern leider (noch?) unterrepräsentiert, sodass Neuerscheinungen hier umso erfreulicher sind. Also Vorhang auf für ein bibliophiles Fantasyabenteuer, eine Liebesgeschichte im sonnigen Spanien und ein wenig griechische Mythologie!

[VIELEN DANK AN RANDOMHOUSE, RONJA DELAHAYE & ULLSTEIN FÜR DIE REZENSIONSEXEMPLARE!]


Rezension Das sternenlose Meer Erin Morgenstern Nachtzirkus bibliophil Bücher Fantasy LGBTQ
Das sternenlose Meer || Erin Morgenstern || Blessing Verlag || Fantasy || HC || 640 Seiten || 1/?

Angesichts der begeisterten Stimmen zu Nachtzirkus konnte ich bei diesem Titel und Klappentext einfach nicht widerstehen - und wusste zugleich nicht, worauf ich mich einlassen würde. Weiß es bis jetzt nicht! Denn dieses Buch ist Prosa und Poesie, Täuschung und Wunder, Märchen und Fabel; und Rätsel. Es geht um Bücher und die Kraft von Worten und den Zauber von Fantasie. Auch wenn das Buch einen roten Faden aufweist - die Erlebnisse von Zachary - ist es vielmehr eine lose und zugleich verwobene Erzählung aus vielen einzelnen Geschichtsfragmenten ohne festen Anfang und Ende.

Durch den bezaubernden Schreibstil gelang es mir von Anfang an, mir auf dieses verworrene und verwirrende Buch einzulassen, die zarte Liebesgeschichte zwischen Zachary und dem geheimnisvollen Geschichtenerzähler zu genießen und die Schönheit in der Langsamkeit der Handlung zu erkennen. 

»Es gibt so viele Facetten bei einem Menschen. So viele Geschichten und so wenige Gelegenheiten, um sie zu lesen. Ich möchte dich ansehen scheint ein so heikles Ansinnen zu sein.«

Diese Geschichte ist eine Liebeserklärung an der Welt der Worte und Bücher; denn Geschichten sind immer nur Ausschnitte, nur Teilwahrheiten und letztlich nur durch uns, die Leserschaft, lebendig und bedeutungsvoll. Ich habe definitiv nicht alle Zusammenhänge erkannt, alle Rätsel gelöst, alle offenen Fragen mir beantworten können - und das hat mich dennoch nicht gestört! Dieses Buch muss unvollständig sein und für jede*n Lesenden von eigener Bedeutung.

Für mich ist das Buch wie ein gewaltiger Strom - dagegen anzupaddeln, krampfhaft nach Sinn und Unsinn, Logik und allen Zusammenhängen zu suchen, ist anstrengend bis ergebnislos. Sich der verschachtelten Erzählung einfach hinzugeben, ohne Erwartungen, was als nächstes kommen mag und immer bereit, vermeintlich Wahres wieder aufzugeben, ist dagegen ein wahrer Lesegenuss ♥

»Eine Geschichte ist wie ein Ei, ein Universum in seinem selbst gewählten Medium. Der Funke von etwas Neuem, Anderem, das jedoch voll ausgeformt und verletzlich ist. Von etwas Schutzbedürftigem.«

Das sternenlose Meer gehört hiermit zu den Büchern, die ich nicht uneingeschränkt empfehlen kann und doch möchte; konnte es mich doch betören. Dennoch glaube ich, dass es nicht jedem Lesegeschmack gefällt und nicht jeder Lesestimmung entspricht. Definitiv werde ich nun bald den Nachtzirkus vom SuB befreien und bin voller Vorfreude und Neugier.


... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[4/5] So schlicht das Cover auch anmutet, so passend und schön anzuschauen ist es zugleich. Der Titel spricht mich ebenfalls an - geheimnisvoll und wohlklingend; und na klar: Meer reizt mich immer ;)


Verworren und verwirrend, bizarr und bezaubernd - ich bin dieser Liebeserklärung an das Geschichtenerzählen erlegen! 

unkonventionell ~ bibliophil ~ opulent


Rezension Falling Like the Stars Ronja Delahaye LGBTQ NA
Falling Like the Stars || Ronja Delahaye || Selfpublishing || NA || eBook || 270 Seiten || 1/1

Bereits vor einiger Zeit konnte mich meine Namensvetterin mit Tigerstreifenhimmel begeistern und verzaubern, sodass ich auf ihre neueste (lesbische) Liebesgeschichte äußerst gespannt war. 

Schreibstil und Humor fingen mich direkt ein; als es die Protagonistin dann auch noch in meine Herzensheimat Andalusien verschlug, konnte dieses Buch nur noch großartig werden ^^

»Ich hatte nicht gewusst, dass es möglich war, das Herz an einen Urlaubsort zu verlieren, aber in eben dieser Sekunde verliebte ich mich in Spanien, seine Landschaft und die Atmosphäre, die hier herrschte.«

Während Coming-Out, Hass gegenüber queeren Menschen und das Auseinandersetzen mit der eigenen Sexualität wichtige Themen von LGBTQ-Literatur sind, ist es in meinen Augen genauso wichtig, nicht-heterosexuelle Beziehungen eben nicht nur wegen ihrer Herausforderungen zu porträtieren, sondern auch zu zeigen, dass sie genauso „normal“ und kompliziert sind. Das tut dieses Buch: Ohne größere Dramen und Missverständnisse geht es darum, wie sich zwei Menschen suchen und finden – und welche Schwierigkeiten und alltäglichen Herausforderungen sich ihrem happily ever after entgegenstellen.

»Wieso zwang ich mich überhaupt dazu, mich vor mir selbst zu rechtfertigen? Ich wusste mit absoluter Sicherheit, wer und was ich war und der Begriff heterosexuell spielte dabei nicht im Geringsten eine Rolle. Wenn ich mich vor mir selbst rechtfertigte, lud das auch andere dazu ein. Am Ende jedoch zählte nur, was ich tief in mir mit absoluter Sicherheit wusste. Mehr nicht.«

Die Geschichte lebt von ihrer Ruhe und Nachdenklichkeit, von der langsamen Entwicklung und liebevollen Gefühlen der Protagonistinnen – kein Strapazieren der Nerven oder wildes Herummachen, sondern Zärtlichkeit und Sich-Raum-Lassen. Mich konnte zudem das heimelige Dorf von Ava und ihre spanische Familie bezaubern; hatte ich doch das Gefühl, auch (wieder) in Spanien zu sein ♥

Für mich ist die Geschichte von Sloane (was für ein erfrischend unverbrauchter Name!) und Ava eine zuckersüße Sommerlektüre, eine Liebesgeschichte auf Augenhöhe und realistisches Alltagsglück: Keine der beiden gibt ihre Unabhängigkeit auf, beide haben ihre starken und schwachen Momente und der Plot ist frei von unnötigem Hin-und-Her oder unglaubwürdigen Entscheidungen und Entwicklungen. Die Botschaft: Liebe ist immer „irgendwie kompliziert“ aber immer gleichwertig. Love is love.


... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[3/5] Während ich das Farbschema des Covers liebe, gefällt mir die Abbildung nicht; zudem assoziiere ich das Cover viel mehr mit karibischen Inseln als mit Andalusien... Auch wenn ich englischsprachige Titel im Allgemeinen nicht liebe, passt dieser ganz hervorragend. Nachteil ist jedoch, dass bei der Internetsuche erstmal nur der Song, nicht das Buch zu finden ist ^^


Süße Alltagsflucht ohne größere Katastrophen, Dramen oder Missverständnisse ♥

liebevoll ~ ruhig ~ erfüllend


Rezension Das Lied des Achill Madeline Miller griechische Mythologie Ilias Homer Trojanischer Krieg Troja Epos Helden
Das Lied des Achill || Madeline Miller || Eisele Verlag || historisch || eBook || 416 Seiten || 1/1

Schon lange vor Percy Jackson konnte mich (griechische) Mythologie begeistern und immer wieder nach Erzählungen oder auch Adaptionen greifen lassen. Schon länger steht Circe daher auf meiner Wunschliste und als ich nun die Gelegenheit hatte, zu dieser anderen (Nach-)Erzählung aus der Feder Madeline Millers zu greifen, habe ich nicht gezögert.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, durch den ich förmlich durch die Seiten flog. Sowohl durch Vorwissen als auch durch ihr wiederholtes foreshadowing ahnte ich zwar das Ende mehr als; war dann aber doch über den genauen Ausgang überrascht und von ihm berührt. Die Haupthandlung ist durch die Liebesbeziehung zwischen Achill und dem Erzähler Patroklos geprägt, sowie später durch die Kampfeshandlungen. Während all´ der vergehenden Jahre durchlebt unser Protagonist einen erfreulichen Reifungsprozess, durch den aus dem unsicheren, abhängigen und schwächlichen Jungen ein Mann mit Charakter und Selbstbewusstsein wird.

Die Unausweichlichkeit des Schicksals und wie sehr sich sowohl Patroklos als auch Achill dessen bewusst sind, ist von einer herzerweichenden Tragik, die mich letztlich Achills Verblendung und Ruhmbesessenheit verzeihen ließ.

»Cheiron hatte einmal gesagt, dass Nationen die törichtste Erfindung der Sterblichen seien. »Niemandes Wert ist größer als der des anderen.««

Die Darstellung von Frauen stieß mir beim Lesen sauer auf – wobei daran nicht die Autorin durch Unachtsamkeit oder Absicht Schuld trägt, sondern die nicht-so-demokratisch-freie Gesellschaft des Antiken Griechenlands. Egal ob die Tochter Agamemnons, Thetis, Achills Verlobte oder die armen Mädchen in den Heereslagern – sie alle sind Opfer der Männer, Spielfiguren ihrer Entscheidungen und Instrumente ihrer Machtausübung.

Alles in allem hatte ich Vergnügen daran, einen Blick in die Welt griechischer Erzählungen werfen zu können; einen Ausschnitt des legendären Trojanischen Krieges zu erleben, unabhängig davon, dass mich der große KNALL nicht überraschen konnte und die Geschichte nicht vorrangig als aufregend bezeichnet werden kann. 

»Der nie endende Schmerz der Liebe. In einem anderen Leben hätte ich mich vielleicht entziehen und ihn seinem Schicksal allein überlassen können. Aber nicht in diesem. Ich würde mit ihm nach Troja ziehen, und sei es in den Tod.«

Klar im Vordergrund dieses Buches stehen Emotionen – ich würde es primär als Liebesgeschichte und erst sekundär als mythologisches/geschichtliches Buch kategorisieren. Zugleich hat die Autorin jedoch eine hervorragende Recherche betrieben und auf ihrer Website Informationen zusammengetragen für alle, die wie ich nach Beenden des Buches, mehr über Götter und Sterbliche im Trojanischen Krieg sowie ihre Quellen wissen wollen. 


... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[4/5] Ich hätte mir ein "griechischer" anmutendes Cover gewünscht, bin jedoch auch mit diesem New Adult-mäßigen Liebesgeschichtencover zufrieden. Der Titel ist klangvoll und retroperspektivisch stimmig gewählt.


Lesenswerte Liebesgeschichte in den Wirren des Trojanischen Krieges; zwischen Heldenmut und tragischem Schicksal.

emotional ~ kurzweilig ~ tragisch

Welche Bücher, die Diversität repräsentieren, darstellen und/oder thematisieren, könnt ihr empfehlen? Also etwa Bücher mit a-/bi-/homosexuellen Figuren oder über Transmenschen? Spricht euch einer der drei Titel an, oder habt ihr womöglich schon einen gelesen?

8 Landgänge

  1. Hallo liebe Ronja,

    also bei der Nachtzirkus bin ich voll bei Dir....lass ihn nicht weiter auf dem SUb versauern.
    Denn es ist ein schönes stimmungsvolles Buch....mehr sage ich nicht....grins..


    Sonst bei Deinen Ausführung ist mir das Wort " LGBTQ-Literatur" ....was wahrscheinlich etwas mit gleichgeschlechtlicher Liebe zu tun hat oder?

    LG...Karin..

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    1. Ahoi Karin,

      jetzt bin ich noch motivierter :D Und ja, das war echt ein wenig umständlich formuliert, ich änder das Mal ab - ich meine Bücher mit/über homosexuelle, aber durchaus auch asexuelle Figuren oder Transmenschen. Die Liebesgeschichte muss also weder im Fokus stehen, noch überhaupt existieren; die Charaktere sind aber nicht der Norm der Bilderbuchfamilie entsprechend ^^

      LG Ronja

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  2. Hi Ronja!

    Eine ganz tolle Rezension zu "Das sternenlose Meer"! Ich hab mich ja echt schwer getan, hierfür Worte zu finden, vor allem, nachdem man es gelesen hat klingt irgendwie alles, was man schreibt, unzureichend ^^
    Witzigerweise hab ich den Nachtzirkus ja auch noch nicht gelesen, das muss ich ebenfalls noch nachholen, bald!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Ahoi Aleshanee,

      danke dir! Ich fand es auch schwierig, diese bizarre und doch so wunder-volle Geschichte zu umschreiben und rezensieren ^^ Haha, dann können wir ja zusammen lesen :)

      Liebe Grüße & ein schönes Wochenende
      Ronja

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  3. Was das Buch "Das Lied des Achill" angeht stimme ich dir zu :-) Gerade der Punkt "Rolle der Frau" ist mir ebenfalls aufgefallen, aber scheint in der patriachischen Welt des antiken Griechenlands leider so gewesen zu sein. Umso mehr würde ich gerne noch "Circe" lesen.
    ...und auch Percy Jackson steht bei mir irgendwann noch auf dem Plan :-)

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    1. Ahoi Julian,

      ja, Circe möchte ich auch unbedingt lesen - und bin, genau wie du, ganz gespannt, wie die Autorin die Rolle der Frau hierin porträtiert! Percy Jackson und folgende Bücher kann ich nur empfehlen; grandios humorvoll und kreativ & ich liebe, wie die Reihe mit ihren Charakteren wächst/sich weiterentwickelt. Aus der klassischen "Junge gegen Monster"-Geschichte wird ein ganzer Kosmos, die Figuren vielfältiger... viel Spaß dabei :)

      Schönes Wochenende und danke für deinen Besuch
      Ronja

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  4. Liebe Ronja,

    deine Meinungen zu Erin Morgensterns "Das sternenlose Meer" kann ich nachvollziehen. Es ist wirklich nicht für jedermann gemacht.

    Ich finde die griechische Mythologie auch total faszinierend und kann dir da die Comics "Mythen der Antike" aus dem Splitter Verlag sehr empfehlen.

    Ich habe deinen Beitrag bei meinen Rezensionen verlinkt ;)

    Viele Grüße
    Bella

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    1. Ahoi liebe Bella,

      danke auch an dieser Stelle für das Verlinken! ♥

      Lesegeschmäcker sind ja -bekanntlich- sowieso schon verschieden, aber dann gibt es immer wieder super spezielle Bücher, wie eben das sternenlose Meer, die die Zielgruppe noch stärker einengen und definitiv nicht jedermanns Sache sind... finde ich immer aufregend, solche Bücher zu lesen und zu schauen, ob ich mich darauf einlassen kann ^^ Das ist auch bei meiner aktuellen Lektüre (Sommernachtstraum) so, wobei ich noch nicht weiß, ob mich das Buch letztlich überzeugen wird ^^

      Danke für die Empfehlung! Ich lese ja eigentlich keine Comics; werde da aber dennoch mal einen Blick drauf werfen :)

      Liebe Grüße
      Ronja

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