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Letzte Rezensionen

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Mittwoch, 22. April 2026

{Rezension} Wir dachten, wir könnten fliegen ~ Matthias Jügler (Hrsg.)

Wir dachten, wir könnten fliegen: 19 Geschichten über den Verlust der Arten und die Kraft der Literatur || Matthias Jügler (Hrsg.) || Penguin Verlag || Anthologie || HC || 256 Seiten || 1/1

Diese Anthologie versammelt literarische, ebenso humorvolle wie überraschende Beiträge von zwanzig der renommiertesten deutschsprachigen und internationalen Schriftsteller*innen. Sie fragen: Wie lebten bestimmte verschwundene Tiere und Pflanzen? Was verbindet uns heute noch mit ihnen? Was machte sie einzigartig? Und was wurde ihnen zum Verhängnis? Begleitet durch farbige Illustrationen von Barbara Dziadosz gibt »Wir dachten, wir könnten fliegen« den verschwundenen Arten ein Gesicht und holt sie aus der Anonymität in unser Bewusstsein.

Mit Beiträgen von: T.C. Boyle, John Burnside, Alex Capus, Daniela Dröscher, Elena Fischer, Charlotte Gneuß, Kim de l’Horizon, John Ironmonger, Helen Macdonald, Katerina Poladjan und Henning Fritsch, Melanie Raabe, Julia Schoch, Katrin Schumacher, Clemens J. Setz, Antje Rávik Strubel, Jackie Thomae, Iida Turpeinen, Caroline Wahl, Iris Wolff.


Während der Leipziger Buchmesse war ich bei einer wunderbaren Lesung im Godwanaland - nach abendlicher Erkundung des Gewächshauses und stärkendem Tee und Kuchen, präsentierten Verleger Matthias Jügler und die drei Autorinen Katerina Poladjan, Katrin Schumacher und Charlotte Gneuß das Buch Wir dachten, wir könnten fliegen - eine Kurzgeschichtensammlung über und zu ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten. Was für eine schöne Idee! Wobei schön natürlich relativ ist - dass bis zu einer Million Arten in den nächsten Jahrzehnten auszusterben drohen, dass bereits 60% weniger Wirbeltiere existieren als noch 1970 und dass einfach jeden Tag 150-200 Tier- und Pflanzenarten aussterben, ist erschreckend. Einige wenige Spezies also literarisch wiederzuerwecken, ist ein rührendes, aber auch aufwühlendes Anliegen.

Mittwoch, 27. August 2025

{Rezension} Yara's Hearts ~ Sabine Knop

Yara's Hearts || Sabine Knop || Selfpublishing || (Dark) Fantasy || eBook || 494 Seiten || 1/?

Ein Monster lauert den Seefahrern in der Karibik auf. Während Piraten und Kolonialisten um die Vorherrschaft der einzelnen Inseln kämpfen, verschwinden immer öfter ganze Besatzungen und herrenlose Schiffe stranden an den Ufern. Abergläubische Matrosen sprechen von Sirenen. Denn zunächst bleiben die Frauen verschont. Doch schon bald verschwinden auch die weiblichen Passagiere spurlos und die wenigen Überlebenden dichten Riesen-Kraken in die Berichte hinein. Routen werden geändert und Messer gewetzt, denn der Verlust wird untragbar. Eine weibliche Piraten Kapitänin macht es sich zur Aufgabe, ihre Crew zu rächen und ihre Ehre zu retten, indem sie das Monster zur Strecke bringt. Ob sie dem Gesang der Sirene widerstehen kann?


Piratin? Sirene? Fluch der Karibik vibes aber mit queerer Repräsentation?! Call me in!

Mittwoch, 16. Juli 2025

{Rezension} Witches, Bitches, It-Girls ~ Rebekka Endler

Witches, Bitches, It-Girls: Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen || Rebekka Endler || rowohlt Verlag || Sachbuch || eBook || 464 Seiten || 1/1

Witches, Bitches, It-Girls ist eine anekdotische Spurensuche, die durch die lange Menschheitsgeschichte führt. Rebekka Endler blickt dabei in den Maschinenraum des Patriarchats, beschäftigt sich mit der Kanonisierung in der Kunst, mit der Epoche der Romantik, mit der sogenannten Normalität und mit feministischen Wellen, mit Cancel-Culture und Transfeindlichkeit – und fragt: Was bringt so viele Frauen heute noch dazu, von einem rettenden Märchenprinzen zu träumen? Warum werben sogenannte Tradwives für ein Leben als Hausfrau und Mutter? Was steckt hinter der Mommy-Blogger-Welle, und welche Funktion haben Frauenbilder wie Witches, Bitches und It-Girls? Humorvoll, schlagfertig und kämpferisch zeigt Rebekka Endler, wie wir alle das Patriarchat Tag für Tag am Laufen halten – und wie wir es dennoch verändern können, wenn wir das System dahinter verstehen und angreifen.


Bei feministischen (Sach-)Büchern bin ich immer am Start - und da ich Das Patriarchat der Dinge geliebt habe war ich voller Vorfreude auf Endlers neues Werk.

Dienstag, 15. Juli 2025

{Rezension} Die Frauen von Cornwall ~ Daphne du Maurier

Die Frauen von Cornwall || Daphne du Maurier || übersetzt aus dem Englischen von
Brigitte Heinrich 
|| insel taschenbuch || Roman || SC || 496 Seiten || 1/1

Janet ist mit dem Werftbesitzer Thomas Coombe verheiratet, sie leben mit ihren Kindern scheinbar glücklich in dem beschaulichen kornischen Hafenstädtchen Plyn. Doch Janet ist ruhelos – immer wieder zieht es sie an die Klippen, und sie träumt davon, ein Mann und frei zu sein und um die Welt zu segeln. Diesen Drang und die unstillbare Liebe zum Meer gibt sie an ihren Sohn Joseph weiter – und als er, wild und ungebärdig, auf einem Schiff anheuert und sein Glück in der Ferne sucht, ist es, als würden ihre Träume wahr. Doch die Rivalität zwischen Joseph und seinem Bruder Philip droht die Familie zu zerreißen…


Von Daphne du Maurier habe ich ja schon einige Bücher gelesen und vor allem Rebecca geliebt; als bei LovelyBooks eine Leserunde zu ihrem neu-übersetzten Debüt angekündigt wurde, musste ich einfach mein Glück versuchen - und die Losfee war mir hold 😊

Samstag, 12. Juli 2025

{Rezensionen} Mit Percy Jackson, Nico & Will auf Tour


Ahoi! Ich bin ja ein großer Rick Riordan-Fan und nachdem ich Percy Jackson: Der Zorn der dreifachen Göttin und Nico & Will nun gelesen habe, bin ich auch wieder auf dem aktuellsten Stand - doch lasst mich fangirlen 😅😊

Donnerstag, 12. Juni 2025

{Faktencheck} Twist ~ Colum McCann

Twist || Colum McCann || übersetzt aus dem irischen Englischen von Thomas Überhoff || 
rowohlt || Roman || eBook || 416 Seiten || 1/1

2019 geht der Journalist Fennell in Kapstadt an Bord der Georges Lecointe, eines Reparaturschiffs für Kabelbrüche in der Tiefsee. Er soll eine Reportage schreiben, über Kommunikation und ihre Störungen. Im Fokus: die Tiefseekabel, die die globalen Datenflüsse leiten, ständig gefährdet durch Naturereignisse, Krieg und Terrorismus. Der Missionschef Conway scheint nicht glücklich über den Gast, der sich für alles zu interessieren scheint  – vielleicht auch für Conways Frau Zanele? Es sieht auch erst nicht danach aus, als sei so bald ein Einsatz fällig – bis eines Morgens in der Stadt Chaos ausbricht: Internet tot, Telefone stumm, kein Geld am Automaten. Eine Havarie mitten im Atlantik, in großer Tiefe, ganz Afrika ist betroffen. Das Schiff lichtet den Anker. Nach Wochen auf hoher See dann eine erschreckende Nachricht: Auf Zanele wurde ein Anschlag verübt. Als Fennell zu neugierig wird, eskaliert der Konflikt. Allein mit der Crew auf dem Kabelleger umkreisen sich die beiden Männer …


Ich habe auf Instagram Sarahs begeisterte Besprechung dieses Buches gelesen und wusste: Das muss ich auch lesen!

Donnerstag, 24. April 2025

Me(e)hr solche Kinderbücher!


Ahoi! Auf vorablesen und bei Kinderbuchlesen durfte ich diese beiden Bücher gewinnen und möchte sie auch heute beide vorstellen und ans Herz legen ♥

Dienstag, 11. März 2025

{Kurzrezension} Das Herz eines Schiffes ~ Elinor Mordaunt

Das Herz eines Schiffes || Elinor Mordaunt || übersetzt aus dem Englischen von Alexander Pechmann || mare Verlag || Anthologie || HC || 176 Seiten || 1/1

Ein Bruderzwist gipfelt in einem Showdown auf hoher See, ein Kapitän erzwingt die Treue seiner dem Untergang geweihten Mannschaft, ein sterbenskranker Mann erträumt sich einen Heldentod im Kampf mit Piraten, und ein verliebtes Schiff verweigert seiner Besatzung den Dienst. Wer geglaubt hat, gutes literarisches Seemannsgarn sei nur von Autoren wie Jack London, Joseph Conrad und Rudyard Kipling gesponnen worden, der hat sich gründlich getäuscht: Elinor Mordaunts maritime Erzählungen, die zwischen 1912 und 1934 erschienen und in dieser Ausgabe übersetzt und kommentiert von Alexander Pechmann erstmals auf Deutsch vorliegen, sprühen vor erzählerischer Freude und dramaturgischem Gespür und sind äußerst kenntnisreich, wenn es um das Leben (und Sterben) auf den sieben Weltmeeren geht.


Der mare Verlag ist bekannt und von mir geliebt für (besonders schöne) Meeresbücher; im aktuellen Programm nehmen sie sich explizit auch der Frauen an, die vom und über das Meer schrieben. Und ich durfte einen der vier Klassikerinnen lesen.

Mittwoch, 25. Dezember 2024

1.000 Places To See Before You Die ~ Buchvorstellung & Gewinnspiel

1000 Places To See Before You Die: Die neue Lebensliste für Weltreisende || Patricia Schultz || übersetzt aus dem Amerikanischen || VISTA POINT || Reiseführer || SC || 1220 Seiten || 1/1

Das Buch richtet sich an alle Globetrotter, Weltenbummler und solche, die es einmal werden wollen. Die bildhafte Schreibweise und Begeisterung der Autorin lädt dazu ein, es sich zu Hause auf der Couch gemütlich zu machen und von Ihrer nächsten Kurz- oder Fernreise zu träumen. Auf 1200 Seiten schreibt die in New York lebende Autorin Patricia Schultz über Orte und Dinge, die jeder gesehen haben sollte. Die Autorin stellt hier nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten vor, sondern beschreibt die exotischsten Reiseziele so anschaulich, dass Sie sich nichts sehnlicher wünschen werden, als ihr Konto zu plündern und sofort ins Flugzeug zu springen, um endlich den Lammfleischkebap auf dem Tolkuchka-Basar bei Ashgabat zu essen oder auf den Spuren von Rubens in Antwerpen zu wandeln.


Als mir dieses Buch von Literaturtest angeboten wurde, musste ich natürlich zusagen - bei Reisen bin ich doch immer am Start! 😁

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Freiheitsliebende, nächtliche und schreibende Frauen


Ahoi! Ob in Kunst und Literatur, auf (Welt-) Reise oder Bergwanderung - Frauen sind und waren überall! Ich finde es berührend, ermutigend und bestärkend, von solchen Frauen zu lesen. Denn obwohl es (noch immer) "Die erste Frau, die..."-Schlagzeilen und Momente gibt, sind wir doch die Töchter und Schwestern der beeindruckenden Pionierinnen vor uns; in (fast) jeder Lebenslage und -situation war mindestens eine Frau vor uns schon. Und deshalb tut es gut, dass immer mehr Biographien und Schicksale ans Tageslicht, ins Rampenlicht kommen! In dem Sinne: Vorhang auf für Heldinnen, weibliche Vorbilder und besondere Frauen ❤

Dienstag, 29. Oktober 2024

Top oder Flop ~ Von Schiffen und Schmerz


Ahoi! Herbstzeit ist Lesezeit! Und so habe ich heute mal wieder eine bunte (Buch-)Mischung für euch - drei von vier Titel entführen tatsächlich auf Schiffe, sind inhaltlich und in Zielgruppe aber komplett verschieden. Das letzte Buch ist ein feministisches Sachbuch; aber lest selbst 😉

Freitag, 25. Oktober 2024

{Doppelrezension} Die Jungs vom Leuchtturm ~ Pippa McKenzie

Mann: Insel für Einsteiger & Mannomänner || Pippa McKenzie || Selfpublishing || (Jugend-)Roman || SC || 548+444 Seiten || 1+2/4

Isle of Man! Ein einsamer Leuchtturm! Was nach einem romantischen Abenteuer klingt, ist für die Vierlinge Erik, Henrik, Fredrik und Cedrik eine einzige Zumutung. Sie vermissen die vertraute Großstadt Bergen und ihre Freunde, aber es kommt noch schlimmer: Selbst ihren Hobbys scheinen sie auf der Insel nicht nachgehen zu können. Der handwerklich geschickte Henrik muss auf seine Werkstatt verzichten, Erik findet keinen Handballverein und Musiker Fredrik keine Band, die zu ihm passen würde. Und Cedrik wird noch menschenscheuer als zuvor und vergräbt sich endgültig in seine Bücher. Doch dann verlieben sich Erik und Henrik in das gleiche Mädchen, und die Sache wird noch komplizierter, als die hübsche Erica in ihrer aller Leben tritt. Sie freundet sich mit den Jungs an – oder steckt doch mehr dahinter als Freundschaft? Fredrik dagegen hat alle Hände voll zu tun, als er ein kleines Wallaby rettet und aufpäppelt. Werden die Brüder weiterhin die Rückkehr in die alte Heimat verfolgen oder sich auf die Abenteuer auf der Insel inmitten der Irischen See einlassen?


Ab und an lese ich ja auch Wohlfühlromane und als mir die auf der Isle of Man lebende Autorin diese Reihe vorstellte, konnte ich nicht widerstehen - Leuchtturm! Und diesen Sommer war ich ja auch wieder auf der kleinen Insel (leider hat es mit einem Treffen dieses Mal nicht geklappt, aber was nicht ist, kann ja noch werden!) 😊

Dienstag, 24. September 2024

Top oder Flop ~ Von Leuchttürmen, Seekühen, Piraten und dem Weg nach Andalusien


Ahoi! Die letzten Monate war es hier auf dem Blog ruhig - zunächst Klausurenphase, dann Segeln und anschließend noch Urlaub. Jetzt bin ich aber wieder da und möchte euch von ein paar der Bücher berichten, die ich so gelesen habe. Eine bunte Mischung habe ich euch mitgebracht, also stöbert los 😊

Dienstag, 25. Juni 2024

{Rezension} But make it classy! Ein feministisches Close-Up deutscher Literatur ~ Teresa Reichl

But make it classy! - Ein feministisches Close-Up deutscher Literatur || Teresa Reichl || 
Carlsen Verlag || Sachbuch || SC || 160 Seiten || 1/1

Schon gewusst, dass Goethes »Die Leiden des jungen Werther« stark vom Werk einer Autorin inspiriert war? Und dass »Faust«, der ewige Klassiker der Klassiker, gar nicht mal so repräsentativ für die deutsche Tragödie ist? In »But Make It Classy! – Ein feministisches Close-Up deutscher Literatur« knöpft sich Teresa Reichl die bekanntesten deutschen Werke vor und betrachtet sie aus einer feministischen, modernen Perspektive. Dabei weitet sie den Blick für den literarischen Kanon und stellt den Klassikern weitere Werke zur Seite, die zwar unbekannter, aber für ihre Epoche ebenso würdig sind. 


Ende letzten Jahres habe ich bereits Teresa Reichls Muss ich das gelesen haben (ihr ahnt es!) gelesen und liebe auch sonst ihre Videos und Comedy - na klar war ich vorfreudig auf ihre neueste Publikation!

Montag, 24. Juni 2024

{Rezension} Aufs Meer hinaus ~ Cecilie Enger

Aufs Meer hinaus || Cecilie Enger || Penguin Verlag || (historischer) Roman || 
HC || 304 Seiten || 1/1

Seit sie denken kann, hat Bertha davon geträumt, ihre streng puritanisch geprägte Heimat im Süden Norwegens hinter sich zu lassen; ein anderes Leben zu führen als das, was von ihr erwartet wird. In der rauen Bergarbeiterstadt Karmøy ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Aufbruch an jeder Straßenecke spürbar – und hier trifft Bertha auch Hanna wieder. Hanna, die so anders ist als andere Frauen und die am liebsten Männerkleidung trägt. Gemeinsam mit Hanna scheint Bertha alles möglich, der Wunsch nach Freiheit und die Sehnsucht nach der Weite des Meeres eint sie, und so machen sie schließlich als die ersten Reederinnen Europas von sich reden. Doch ihre Liebe halten die beiden Frauen zeit ihres Lebens vor der Außenwelt verborgen.


Auf der Leipziger Buchmesse war ich bei der Buchvorstellung und auch wenn die Autorin mich in dem Gespräch (vermutlich auch wegen der Übersetzungen) nicht begeistern konnte, lockte mich doch ihr Buch - Norwegen, Reederinnen, lesbische Liebe? Call me in!

Freitag, 7. Juni 2024

Was Bridgerton mit der Strelitzie zu tun hat, wie ein Hecht (nicht) das erste U-Boot wurde und wem wir den Schulatlas zu verdanken haben ~ 14 sagenhafte Nordgeschichten

Sagenhafte NORDGeschichten: Ein Reiseführer in die geheimnisvolle Vergangenheit Norddeutschlands || Tillmann Bendikowski & Sabine Knor || Penguin Verlag || 
Sachbuch || SC || 256 Seiten || 1/1

Was hat die vielleicht schönste Blume der Welt mit einer Prinzessin aus Mecklenburg zu tun? Woran scheiterten die römischen Soldaten vor 2000 Jahren gegen die Germanen? Und wie kam es eigentlich, dass so manches Schloss in Norddeutschland mit Gewinnen aus dem Sklavenhandel finanziert wurde? Solchen und vielen anderen Fragen gehen Sabine Knor und Tillmann Bendikowski in ihren NORDGeschichten nach - überraschend und spannend erzählt. Sie nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine historische Entdeckungsreise durch den Norden zwischen Elbe und Harz. Nordsee und Ostsee. Ein Muss für alle Norddeutschland-Fans und solche, die es noch werden wollen.


Über dieses Buch bin ich eher zufällig gestolpert - aber da ich ja jetzt im Norden Deutschlands lebe und sowieso immer für Geschichte(n) zu haben bin, passte das doch hervorragend. Also kommt mit mir auf Tour durchs sagenhafte Norddeutschland!

Mittwoch, 29. Mai 2024

{Rezension} Allmen und Herr Weynfeldt ~ Martin Suter

Allmen und Herr Weynfeldt || Martin Suter || Diogenes Verlag || Roman || HC || 224 Seiten || 7/?

In einer Bar begegnet Allmen einem kultivierten Herrn seines Alters – Adrian Weynfeldt. Der Name ist dem Kunstdetektiv selbstverständlich ein Begriff. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft. Als Weynfeldt kurz darauf bemerkt, dass ein Bild in seiner Sammlung fehlt, schaltet er Allmen ein. Weynfeldts bunter Freundeskreis gibt sich zugeknöpft. Nur die Kunstbuchhändlerin will reden. Doch bald schon kann sie das nicht mehr. Allmen steht vor seinem ersten Mordfall.


Vor Jahren habe ich den ersten Allmen-Band geschenkt bekommen und verbinde damit die schöne Erinnerung an einen sonnigen Geburtstag lesend auf einer Hollywoodschaukel im Garten. An Der letzte Weynfeldt erinnere ich mich als einen überraschend unterhaltsamen Film, den wir als Familie gemeinsam und nur durch zufälliges Zappen auf der Couch geschaut haben. Einem Crossover konnte ich angesichts solch warmer Gefühle nicht widerstehen und war zudem gespannt, wie Martin Suter das Aufeinandertreffen seiner beiden Figuren wohl gestalten würde.

An sich ist es ja ein Wunder, dass ich dieses Buch überhaupt gelesen habe - ich mag normalerweise keine Krimis und habe eine Abneigung gegen überreiche Menschen und die Kreise, in denen sie sich begegnen. Martin Suter gelingt es jedoch, die "Sorgen und Nöte" eines Privatiers, ja Selbst Dekadenz und Arroganz rätselhaft charmant zu vermitteln. Mit einer Mischung aus distanzierter Sympathie und voyeuristischer Neugier verfolgte ich mit Allmen und Herrn Weynfeldt Menschen, die mir sonst so fremd sind.

Besonders punktet Martin Suter dabei mit seiner eloquenten, eleganten und intelligenten Sprache, einem feinen Sinn für Humor und unterhaltsamer Situationskomik. Das Buch ist dabei zugleich Kriminalgeschichte und Milieustudie; stilvoll und zwar nicht übermäßig aufreibend, aber eben doch angenehm kurzweilig. SPOILER! Grandios fand ich auch, wie am Ende Allmen und Herr Weynfeldt jeweils das Geheimnis des Anderen kannten und in Großmut darüber hinwegsahen - nicht wissend, dass ihr Gegenüber genau das ebenfalls tat.

Meinem kritischen Ich, das doch immer mitliest, fiel jedoch auch der unangenehme male gaze auf, mit dem Suter oder zumindest seine Charaktere auf Frauen schauen und über sie sprechen; zudem der massive Alkoholkonsum - nicht nur aber gerade in "höheren" Gesellschaftsschichten ist Alkohol ja salonfähig und zum guten Ton dazugehörig. Überhaupt, es ist doch auf eine negative Art faszinierend, wie diese Erzählung nur aus der Perspektive funktioniert, aus der sie erfolgt - als (vermeintlich) reicher Mensch steht Allmen das Nichtstun, das Geldverprassen, das Trinken und die Arbeitsunlust gut zu Gesicht; ja all das ergibt sogar einen eigenen Lebensstil, das Dasein als Privatier. Würden sein Gärtner Carlos oder seine Frau Maria, noch dazu mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus und Migrationsgeschichte, gleiches Verhalten an den Tag legen, wären sie als Sozialschmarotzer wohl schnell verschrien.

Nichtsdestotrotz - nicht jedes Buch, das ich lese muss feministisch sein, meinen politischen und wirtschaftlichen Meinungen entsprechen oder die Gesellschaft darstellen, in der ich gerne leben würde, um Lesegenuss und Freude zu sein! Und so ging und geht es mir mit Allmen; ohne dass ich allem darin zustimmen, sind die Geschichten erquicklich zu lesen und ich werde sicherlich noch weiteren Eskapaden des feinen Herrn folgen.


... noch ein paar Worte zu Gestaltung und Titel:
[3/5] Diogenes-Bücher haben die Art, optisch zwar keine Highlights zu sein, aber kultiviert und nach anspruchsvoller Lektüre auszusehen. Das unterstreichen auch der feine Leineneinband und das Lesebändchen, die Qualität des Papiers und das angenehm handliche Format. Zudem passen die Allmen-Bücher stilistisch erfreulich gut zueinander.


VIELEN DANK AN DIOGENES FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR

Intelligent geschrieben und auf eine leichte Art unterhaltsam; mit schrulligen, überzeichneten Charakteren, denen ich trotzdem beim Lesen nicht umhin konnte, das Beste zu wünschen.

eloquent ~ erquicklich ~ kultiviert

Kennt ihr Bücher/Filme von Martin Suter? Mögt ihr Kriminalgeschichten? Und von welchen Autor*innen wünscht ihr euch Crossover ihrer Geschichten/Figuren?


 Ähnliche Bücher in meiner Schatztruhe:
{mit einem Klick auf die Cover gelangt ihr zu den Rezensionen}

Montag, 20. Mai 2024

{Rezension} Nordostpassage: Geschichte eines Seewegs ~ Andreas Renner

Nordostpassage || Andreas Renner || mare Verlag || Sachbuch || HC || 272 Seiten || 1/1

Jahrhundertelang träumten europäische Seefahrer vergeblich von einer Ostroute durchs sibirische Eismeer: Willem Barents und Vitus Bering erlagen nach ihren »Entdeckungen« Spitzbergens und der Beringstraße den Strapazen ihrer Expeditionen, und selbst der erfolgsverwöhnte James Cook scheiterte an der Suche nach dem östlichen Ausgang aus den Eismassen. Die Sowjetunion erkämpfte sich den Seeweg durch den Einsatz von Eisbrechern, doch noch immer sank aus Hybris so manches Schiff. Ausgerechnet der Klimawandel öffnet nun die lange herbeigesehnte Wasserstraße – und macht sie zugleich zum Gegenstand unterschiedlichster Interessenkonflikte. Wirtschaftsraum für den Export von fossilen Rohstoffen oder Nationalpark im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes? Internationale Transitroute oder russisches Hoheitsgebiet?


Mal wieder eine Leseempfehlung abseits der großen Verkaufsschlager und mitten aus meinem persönlichen Interessengebiet (wofür der mare Verlag ja prädestiniert ist) 😀

Samstag, 24. Februar 2024

Wortwunder, Wunderworte ~ Wie Du einen guten Text schreibst und welche Worte Du vermeiden solltest


Ahoi! Ich gebe es direkt zu - der Titel ist (etwas) reißerisch; das eine Rezept für einen "guten" Text gibt es nicht. Jede*r hat einen eigenen Stil und das ist auch schön so - wie langweilig wäre es denn bitte sonst! Mir wurde mal gesagt, ich gäbe eine gute Feuilletonistin ab; ich schreibe auch gerne und viel und das schon immer. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung kann ich also nicht servieren; manchmal sind die Worte einfach da und dann geht´s los. Was ich aber tatsächlich habe, ist eine Liste mit Worten, die ich in Texten vermeiden möchte - weil sie aussagelos, überflüssig, unschön oder sogar potentiell diskriminierend sind. Wenn ich meine Rezensionen beendet habe, schaue ich immer, ob ich die Wörter dieser Liste verwendet habe und wenn, ersetze oder streiche ich sie; formuliere teilweise auch Sätze um. Das mache ich schon lange so, sodass ich die Worte mittlerweile sowieso nur noch selten verwende. Seid ihr neugierig, welche das sind? Dann lest weiter 😎

Samstag, 3. Februar 2024

{Rezension} Das Totenschiff ~ B. Traven

Das Totenschiff || B. Traven || Diogenes Verlag || Roman || HC || 416 Seiten || 1/1

Der amerikanische Seemann Gales verpasst in den Kneipen Antwerpens sein Schiff, auf dem sich sein einziges Identitätsdokument befindet, wird als Staatenloser über europäische Landesgrenzen abgeschoben und heuert schließlich in Barcelona auf dem Schiff Yorikke mit illegaler Ladung und Besatzung und höllischen Arbeitsbedingungen an. Und es kommt noch schlimmer.


Schon länger hatte ich Das Totenschiff auf dem Schirm - mit der Neuauflage aus dem Dezember dann auch keinen Grund mehr, nicht endlich zu diesem Klassiker zu greifen.