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Sonntag, 19. April 2020

{Rezensionen} Liebe que(e)r durch alle Zeiten


DANKE AN DEN ULLSTEIN & DIANA VERLAG FÜR DIE REZENSIONSEXEMPLARE

Ahoi! In letzter Zeit habe ich drei Romane gelesen, die von Setting und Stil her nicht unterschiedlicher sein könnten, und die doch eines vereint: Die Liebe. Wer meinem Blog schon länger folgt, dürfte wissen, dass ich selten reine Liebesgeschichten lese - seit einiger Zeit greife ich jedoch bewusst zu Büchern, die queere Liebesgeschichten enthalten. Ob Australien in heutiger Zeit, Norwegen im 17. Jahrhundert oder England im Zweiten Weltkrieg: Frauen*, die sich nicht anpassen, die lieben ohne Rücksicht auf die heterosexuelle Norm, haben es nicht leicht! Umso wichtiger ist die Sichtbarkeit von Beziehungen jenseits von boy meets girl, gerade auch in der Literatur. Deshalb stelle ich euch heute diese drei Titel vor:


 Rezension Wir zwei und ein Augenblick Annie M. Rose Forever LGTBQ lesbisch YA
Wir zwei und ein Augenblick || Annie M. Rose || Forever | | YA || eBook || 256 Seiten || 1/1 || RE

Reine Liebesgeschichten lese ich ja selten, aber als ich dieses wunderbare Cover bei NetGalley entdeckte, wollte ich Sophia und Elena einfach kennenlernen :)

»Ein großer Teil unserer Gesellschaft ist furchtbar, aber das wird mich nicht davon abhalten, mit Sophia zusammen zu sein. Es wird sicher nicht immer einfach, aber das ist auch eine Beziehung zwischen Mann und Frau nicht. Aber es wird es wert sein, das weiß ich.«

Die sich entwickelnde Beziehung zwischen den Beiden ist zuckersüß und auch die Freundschaftsclique gefiel mir, ebenso das Setting in Australien - mal nicht eine amerikanische Highschool, yeah :) Die Handlung hingegen enttäuscht mich - bis zur Hälfte des Buches findet Alltag as usual statt - Schule und Lernen, Feiern, Urlaub, Familienessen... 

Für den schockierenden Kontrasteffekt sicher sinnvoll, aber mir zu langatmig. Als dann endlich "Entwicklung" eintrat... war sie mir zu dramatisch. Ich bin mir sicher, dass viel zu viele Eltern unbegreiflich auf das Outing ihrer Kinder reagieren, aber das Ausmaß hier wirkte gewollt. SPOILER! Ohne das australische Schulsystem zu kennen, kann ich mir zudem nicht vorstellen, dass niemand nachfragt, wenn ein Kind einfach aus der Schule gezogen wird?! Zudem irritierte mich das Umlenken von Sophias Eltern; ich konnte es nicht fühlen, wirkte es doch inszeniert. Erst Gewalt und Einsperren und dann plötzlich Einsehen?!

Nach dem ungewollten Outing dümpelt die Handlung ebenso vor sich hin, erst gegen Ende wieder Aktion; noch ein Missverständnis mit Folgen und schließlich Happy End. Cute, aber alles in allem nicht mitreißend.

»[…] und solange wir uns unserer Liebe bewusst sind, kann uns alles andere egal sein. Denn das hier ist unsere Version von etwas Perfektem in dieser unperfekten Welt.«

Ich hätte mir des Weiteren eine stärkere Einwebung der Nebenfiguren und Erzählstränge gewünscht - Nach anfänglichen Andeutungen rund um Elenas Schwester zum Beispiel, ist diese letztlich nur eine Statistin, ebenso Sasha und Kyle, die nach dem Cottageaufenthalt nicht mehr viel Bedeutung haben und schließlich der ausbleibende Toast auf den Englischlehrer. Dazu muss aber auch gesagt sein, dass sich dieses Buch zum einen an eine jüngere Zielgruppe als mich richtet und zum anderen ein Debüt ist - und dafür definitiv ein solider Beitrag zur queeren Jugendliteratur!


Auf der Handlungsebene nicht der große Wurf, in puncto Liebe und Freundschaft hingegen überzeugende und süße Teenie-Geschichte über Outing, Vorurteile und Angst.

süß ~ kurzweilig ~ jugendlich


 Rezension Vardo Nach dem Sturm Kiran Millwood Hargrave Norwegen Inquisition Hexenverfolgung
Vardø - Nach dem Sturm || Kiran Millwood Hargrave || Diana || (historischer) Roman || 
HC || 432 Seiten || 1/1 || RE

Auch Hexenverfolgung und Inquisition gehören nicht zu meinen bevorzugten Buchthemen, doch das Setting im hohen Norden Norwegens sowie die angedeutete machten mich neugierig.

Von der ersten Seite an vermochte es die Autorin, mich mit ihrem Schreibstil, wenngleich streckenweise anstrengend zu lesen und poetisch schwer, einzufangen. Elend, Dreck, Ungerechtigkeit, Hunger und körperliche Erschöpfung - all´ dies ließ mich Kiran Millwood Hargrave förmlich am eigenen Leib spüren. 

Und dennoch ließ meine Begeisterung Kapitel für Kapitel nach - erst nach etwa 150 erreichen der Kommissar und seine junge Frau Ursa die Insel und so relevant die Beschreibungen des harten Alltags und die schleichenden Veränderungen im Miteinander doch für das Verständnis späterer Ereignisse sind, passierte mir schlicht zu wenig.

»Sie zögert. In der klaren Luft spricht sie mühelos Vertraulichkeiten aus, der Wind schnappt sich unverzüglich jedes ihrer Worte, sodass sie nicht das Gefühl hat, etwas verheimlichen zu müssen.«

Das ändert sich auch nach der Ankunft nicht; das Geschehen war an sich aufregend wie eine Bedienungsanleitung. Erst die letzten 50-100 Seiten bringen Handlung, die vom Alltäglichen abweicht. 

Das historische Elend und die Entwicklung einer eingeschworenen Gemeinschaft bis hin zu einer von Misstrauen und Missgunst durchzogenen Gemeinde schildert die Autorin eindrucksvoll und gelungen, die Handlungsebene ist jedoch als dürr zu beschreiben. Auch die Charaktere konnten mein Herz kaum berühren; ich fühlte mich als distanzierte Beobachterin, die zwar erschrocken ob Gewalt und Elend, nicht aber mitleidend war.

»Ihr Geheimnis quält sie nicht, sie fühlt sich bestärkt, hineingezogen in ein glanzvolles und seltenes Erleben. Sie sagt sich nicht, dass sie Ursa liebe, aber sie weiß, dass ihr Gefühle mehr der Liebe ähneln als alles, was sie je empfunden hat. Mit dieser Zuneigung im Herzen fühlt sie sich mutig wie Kirsten in Hosen, und obwohl sie das Gefühl genießt, ist ihr bewusst, wie leichtsinnig, wie gefährlich es ist.«

Im offenen Ende liegt eine Stärke und offenbart das Wachstum Marens und Ursas und ließ mich dennoch unbefriedigt ob der unklaren Zukunft zurück.


Beklemmend und eindrucksvoll geschildert aber leider handlungsarm, gewährt das Buch einen tiefen Einblick in eine Spirale aus Misstrauen und Verrat, Freundschaft und Liebe.

bedrückend ~ zäh ~ schwer


 Rezension Die stummen Wächter von Lockwood Manor Jane Healey
Die stummen Wächter von Lockwood Manor || Jane Healey || hanserblau Verlag || Roman || B || 384 Seiten || 1/1

Während das Cover einen sommerleichten Roman verspricht, deutet der Klappentext die düstere Geschichte an. An sich ist die Handlung weder ausgesprochen ereignisreich oder von Schnelllebigkeitkeit geprägt, noch ist das Buch ein Schauerroman voller Schrecken - und dennoch fröstelte es mich des Öfteren, meinte auch ich das Grauen, den Wahnsinn des Hauses spüren zu können. Ganz wie bei Jane Eyre spielt die Autorin Jane Healey mit ihren Figuren und Lesenden, führt auf falsche Fährten, schafft eine beklemmende Atmosphäre. Allerhand Anspielungen zu ebenjenem Klassiker hat die Autorin zudem eingebaut!

»Das Haus ermutigte regelrecht dazu, es zu durchstreifen und auf die Jagd zu gehen – der lange Gang in der ersten Etage, die Wandlampen, die einem den Weg leuchteten, die hohen Fenster, die Zimmer, die ein dutzend Paar Hände in tadellosem Zustand hielt, die verborgene Dienstbotentreppe, die es zu entdecken galt, der enge Kaninchenbau der Dienstbotenzimmer ein Stockwerk höher – und über alldem ein Vakuum ohne Leben, die Abwesenheit der Menschen, für die diese Räume einmal so liebevoll eingerichtet worden waren.«

Bis zur Auflösung hatte ich das furchtbare Geheimnis, das über Lockwood Manor liegt, nicht erkennen können; im Nachhinein wurde dieses jedoch grandios subtil vorbereitet und aufgebaut. Alles ergab letztlich Sinn und dennoch bleibt dieser leise Hauch von Unsicherheit, von letzten Ungewissheiten, was erklärbar und was doch übernatürlich sein muss...

Die Liebesgeschichte ist ebenfalls Schicht für Schicht errichtet worden, zart und bezaubernd. Lucy ist zudem eine wunderbare Frau, die ich gerne kennenlernen würde, auch wenn ich sie ab und an ob ihrer Zartbesaitetheit doch gerne geschüttelt hätte ^^ Hetty hingegen ging mir immer wieder auf die Nerven mit ihrer pedantischen Art und wie sie im Selbstmitleid ob der genervten Art, mit der sie behandelt wird, schwelgt. Ein anderer Charakter hätte vermutlich nicht in die Geschichte gepasst; nur ein solcher, wenig umgänglicher und sturer Mensch, akribisch bis zur Verbissenheit, hätte die Handlung bis zur schließlichen Eskalation aufrechterhalten und treiben können - und doch; eine liebenswertere Hauptprotagonistin hätte ich mir gewünscht!

»Im Museum spielten wir andauernd Gott: Wir versahen die Dinge mit Namen und Klassifizierungen und gaben der Natur eine von uns erdachte Ordnung – Familie, Art, Gattung –, und nun war es an uns zu entscheiden, welche unserer Objekte es wert waren, gerettet zu werden.«

Der Schreibstil gefiel mir von der ersten Seite: Von einem feinen Humor durchzogen, einnehmend und wunderbar bildlich - ich konnte Kälte und Entsetzen förmlich spüren, meinte, das Rascheln von Seide und knarksender Schritte zu vernehmen. Die Geschichte ist auf eine Weise geschrieben, die sich nicht rasend schnell weglesen ließ, sondern mich in der vermeintlichen Trägheit der Handlung durch die Seiten trug.

Zum historischen Hintergrund noch ein Wort: Ich habe recherchiert, dass wohl ein Großteil der Sammlung des Naturgeschichtlichen Museums London tatsächlich in Landhäuser evakuiert wurde; Lockwood Manor und die Ereignisse darauf sind jedoch Fiktion. Ich würde also sagen, dass dieses Buch kein historischer Roman, sondern ein Roman mit historischem Setting ist.

Wer sich von dieser Geschichte also eine seichte Lektüre verspricht, sollte besser die Finger vom Buch lassen; wer sich jedoch auf ein langsames, aber atmosphärisch dichtes und gelungen geschriebenes Wandeln durch ein Haus mit einem furchtbaren Geheimnis, auf Wahnsinn und Verfolgungsängste einlassen kann und möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.


Abgesehen von der streckenweise unangenehmen Protagonistin ein liebevoller Roman, der nicht mit großen Paukenschlägen sondern gekonntem, langsamen Aufbau bis hin zur furchtbaren Enthüllung in seinen Sog zieht.

bedrückend ~ einnehmend ~ leise

Lest ihr (bewusst) Bücher mit gleichgeschlechtlichen Paaren? Welches der Bücher spricht euch am ehesten an? Und wie wichtig sind euch sympathische Protagonist*innen?

6 Landgänge

  1. Hallo liebe Ronja,

    hm, was diesen Themen bin ich raus...

    Deshalb spricht mich auch keines wirklich so an, aber jedes hat trotzdem Punkte, die interessant und spannend mir erscheiden und so den Roman wiederum lesenswert machen...

    Denn ich finde, jeder soll/kann/darf so leben wie es ihm/Ihr/D gefällt wenn es das Umfeld nicht stört...und ehrlich was hinter einer Schlafzimmertür passiert...geht nur die Leute an, die die Tür hinter sich dann schließen...

    LG..Karin..

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    1. Ahoi Karin,

      da kann ich dir nur absolut zustimmen!! Leben und leben lassen :)

      Hab ein wunderbares Wochenende ♥
      Ronja

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  2. Ahoi Ronja! :)
    Tja, ich hab es ja schon geahnt, aber nun kann ich es schwarz auf weiß lesen , Vardo war für dich leider nicht so ein großer Erfolg wie für mich. Selbst rückblickend weiß ich nicht so recht, wieso dir die Handlung so zäh und schwerfällig vorkam, ich mochte diesen ruhigen, gefährlichen Aufbau, der so lang in trügerischer Sicherheit wiegt. Aber wir haben ja schon öfter festgestellt, dass wir zwar zu den selben Büchern greifen, sie uns aber recht unterschiedlich erreichen.

    Dein zuletzt vorgestelltes Buch überrascht mich dagegen sehr, denn aufgrund des Covers (sehr hübsch anzusehen, keine Frage, aber!) hätte ich nicht dazu gegriffen, eben weil ich dahinter eben jene seichte Sommerlektüre vermuten würde. Was du aber beschreibst, spricht mich dann doch sehr an - es landet also auf meiner Liste =)

    Alles Liebe!
    Gabriela

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    1. Ahoi Gabriela,

      ja schon witzig, dass wir anscheinend mit unterschiedlichen Erwartungen zu den gleichen Büchern greifen ^^ Aber wie schrecklich wäre es, wenn alle den gleichen Buchgeschmack hätten!!

      Ich hatte Lockwood Manor auch ganz anders eingestuft beim ersten Sehen, aber als es dann bei queerBUCH in der Vorschau war & ich es zum Tausch angeboten bekommen habe, konnte ich nicht widerstehen. Manchmal schießen sich die Verlage mit ihren Covern echt selbst ins Knie. Dieses Buch wird vermutlich nicht die Aufmerksamkeit seiner eigentlichen Zielgruppe bekommen, während die Leser*innen vermutlich enttäuschend aufgrund anderer Erwartungen sein werden...

      Liebe Grüße & ein schönes Wochenende
      Ronja

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  3. Ahoi,
    ich hab ja einen kleinen Faible für queere Bücher und "Wir zwei und ein Augenblick", genau wie "Die stummen Wächter von Lockwood Manor" habe ich mir direkt mal notiert, die schaue ich mir definitiv etwas genauer an. Vielen Dank dafür. Gerade ersteres ist ja eher selten bzw. fallen mir mehr Boy meet Boy-Bücher als Girl meet Girl-Bücher ein.
    Ganz liebe Grüße Jessie von Just some Bookstories

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    1. Ahoi Jessie,

      dann viel Spaß mit den Büchern, solltest du sie lesen :) Stimmt schon, spontan könnte ich nur noch Ein Happy End ist erst der Anfang & Nur du und ich und über uns die Sterne nennen...

      Sonnige Grüße
      Ronja

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